Idee von easy2see

Die Idee zu easy2see entstand 2001 in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Blinden- und Sehbehindertenverband (damals "ÖBSV" jetzt "BSVÖ"). Im Prinzip aus einem ganz einfachen Bedürfnis von stark sehbehinderten Probandinnen und Probanden, mit denen Webseiten getestet wurden.

Schaubild easy2see: Original, Bildschirmfunktion, easy2see-Variante © echonet communication GmbH

    Menschen, die noch sehen können...

    Aus den Gesprächen mit stark sehbehinderten Personen entstand die Idee für easy2see. Denn seit Anfang 2000 (teilweise auch schon davor) bieten mehrere Betriebssysteme (Windows, Mac OS...) für sehbeeinträchtige Personen einige Hilfsfunktionen. Unter anderem eine Hilfsfunktion, die sich "Bildschirmfarben umkehren" nennt. Und auf diese Funktion von Betriebssystemen der großen IT-Konzerne zielt easy2see hauptsächlich ab.

    Sinn und Zweck von easy2see ist es den betroffenen Menschen, die noch ein Restsehvermögen (dieses ist je nach Erkrankung der Augen unterschiedlich ausgeprägt) haben ein positives Nutzungserlebnis zu bescheren.

    Warum überhaupt dunkle Hintergründe?

    Für viele Menschen wird das Erlebnis auf Webseiten zu surfen mit einem hellen Hintergrund als angenehm empfunden. Außerdem muss bei einem dunklen Hintergrund die Schriftgröße um ca. 15 - 20 % erhöht werden um nachweislich die gleiche gute Lesbarkeit zu erreichen. Dieser Effekt ist auch ohne Internet beispielsweise in Zeitschriften und Magazinen zu sehen, wenn auf dunklem Hintergrund in einem Infokasten weiß geschrieben wird. Der Text ist entweder weniger gut lesbar oder vom Layouter intelligent größer gesetzt worden.

    Trotzdem können die hellen Hintergründe dazu führen, dass Personen mit verschiedenen Erkrankungen der Sehfähigkeit und der Augen ein unangenehmes bis fast schmerzhaftes Erlebnis haben. Die hellen Hintergründe eines Bildschirmes strahlen stärker als etwa der helle Hintergrund von bedrucktem Papier. Und hier kann es zu empfindlichen Reaktionen kommen, daher wurden für easy2see die stärksten optischen Kontraste mit der Option auf einen dunklen Hintergrund realisiert:

    • Schwarz-Gelb
    • Blau-Weiß

    Probleme der Betriebssysteme

    Kernproblem der Beriebssysteme ist, dass sie alle Farben invertieren. Was weiß ist, wird schwarz, was schwarz ist, wird weiß. Was blau ist, wird orange, was orange ist, wird blau. Rot wird zu Türkis, Türkis wird zu rot. Soweit so gut könnte man denken, aber...

    "Mit easy2see ist es gelungen auch für den Blindenverband die Webseite so zu gestalten, dass die betreffenden Personen sie mit einem dunklen Hintergrund erleben können und trotzdem die Bilder im Original sehen. Und das war uns und den betroffenen Personen sehr wichtig."

    Im oberen Bild ist ein und die gleiche Webseite in 3 Varianten dargestellt:

    • Originalversion mit weißem Hintergrund
    • Farbumkehr per Betriebssystem-Funktion
    • Schwarz-Gelb-Formatierung per easy2see

    Was dabei deutlich wird (mittlerer Ausschnitt des Bildes), und das kennen alle, die vor dem Zeitalter der Digitalphotographie einen Dia-Film oder ein Foto-Negativ gesehen haben: Man erkennt auf einem Negativ aufgrund der Farbumkehrung Elemente nicht mehr, Personen sind extrem schwer zu erkennen, weil dem Menschlichen Gehirn die Phantasie völlig fehlt bei einem Negativ die richtige Augen- oder Haarfarbe zu erkennen.

    "Wir haben lange mit den betroffenen Personen im Blinden- und Sehbehindertenverband gesprochen. Das klare Bild war eindeutig: Alle, die noch sehen können, wollen Bilder auch im Original ansehen. Das war der Grundstein für die Idee easy2see."
    Roland Vidmar, echonet

    Probleme der Webdesigner

    Eine Bildschirmfarben-Umkehrung, also der Effekt, dass die gesamte Optik von "Positiv" auf "Negativ" (wie aus der Photographie bekannt) umgestellt wird, hilft dann nicht, wenn beim Webdesigner, der die Seite entwickelt hat, bereits vergessen wurde die entsprechenden Kontraste zu berücksichtigen. Wenn also aus Gründen der "Schönheit" einer Webseite etwa hellblaue Texte auf hellgrüne Farbflächen gestellt wurden, weil das aus Gründen des Corporate Designs so gewünscht war.

    Die Umkehrung der Farben hilft hier bei der Lesbarkeit einfach nicht weiter. Es ist auch legitim eine Webseite und ein Corporate Design so zu haben, dass es von der Lesbarkeit her nicht optimal ist, aber nicht legitim ist es dann die Informationen nicht alternativ für einen Benutzer anzubieten, der dieses Bedürfnis eben hat.